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Zahlen, Formen, Weltbilder – Streifzüge durch die Geschichte der Mathematik

Diese Vortragsreihe lädt zu einer kultur- und ideengeschichtlichen Entdeckungsreise durch die Mathematik ein. Von den zeitlosen Schönheiten der platonischen Körper über die Übernahme des indo-arabischen Zahlensystems in Europa bis hin zu den tiefgreifenden Strukturideen von Felix Klein spannt sich ein weiter Bogen. Dabei wird Mathematik nicht nur als abstrakte Disziplin, sondern als treibende Kraft wissen¬schaftlicher, technischer und philosophischer Entwicklungen sichtbar. Die Mechanik des Himmels, die Transformationen in China auf dem Weg in die Moderne sowie geometrische Konzepte für das Verständnis des Kosmos zeigen eindrücklich, wie eng mathematisches Denken mit unserem Weltbild verknüpft ist. Die Reihe verbindet historische Perspektiven mit anschaulichen Zugängen und macht die Entwicklung mathematischer Ideen als lebendigen Prozess erfahrbar.

Mittwoch, 14.10.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Wie Europa das indo-arabische Zahlensystem bekam

Thony Christie, Spardorf bei Erlangen

Eins, zwei, drei – unsere alltäglichen Zahlen und das Stellenwert-Dezimalsystem haben ihren Ursprung in den ersten Jahrhunderten unserer Zeit in Nordindien. Dieser Vortrag erklärt die Herkunft dieses Zahlensystems und verfolgt seinen Weg durch die Geschichte bis zu seiner Ankunft in Europa zur Zeit der Renaissance.

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Arithmetica urteilt in einem Rechenwettbewerb zwischen indo-arabischen Zahlzeichen und einem Rechenbrett; Gregor Reisch, Margarita Philosophica, 1503

Mittwoch, 21.10.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Felix Klein (1849–1925): sein „Erlanger Programm“ und sein „Gauß-Programm“

Prof. Dr. habil. Renate Tobies, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Alter von 23 wurde Felix Klein ord. Professor der Mathematik an der Universität Erlangen und präsentierte hier sein berühmtes „Erlanger Programm“, mit dem er die damals existierenden, sich zum Teil bekämpfenden Richtungen in der Geometrie zu ordnen suchte. Wie er das tat, wird am Beispiel erklärt. Auch die Nicht-Euklidischen Geometrien gehörten dazu, womit Klein schon zuvor internationales Aufsehen erregt hatte. Er hatte deren Widerspruchsfreiheit zeigen können. Das war höchst bemerkenswert, denn große Philosophen hatten die euklidische (= 3-dimensionale) Geometrie als „denknotwendig“ erklärt. Es sollte ca. 40 Jahre dauern, bis durch Einsteins Relativitätstheorie klar wurde, dass nichteuklidische Geometrie real existiert: unsere Welt breitet sich nichteuklidisch aus!
Klein arbeitete auf nahezu allen damaligen Gebieten der Mathematik und entwarf weitere Programme. Es zeichnete ihn besonders aus, dass er als erster Mathematiker massiv für Anwendungen der Mathematik in technischen Gebieten eintrat, nachdem er Professor an der TH München gewesen war: sein „Gauß-Programm“, das er an der Universität Göttingen umsetzte.

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Felix Klein, ca. 1880; aus Tobies, R. (2025): Felix Klein (1849-1925). Visionen für Mathematik, Anwendungen und Unterricht. Berlin: Springer Spektrum (2. neu gestaltete Aufl.), S. 208.

Mittwoch, 28.10.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Platonische Körper – Fünf Juwelen der Geometrie

Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, Justus-Liebig-Universität Gießen, Direktor Mathematikum

Die fünf platonischen Körper – vom Tetraeder über den Würfel bis zum Dodekaeder – haben seit Tausenden von Jahren die Menschen nicht nur als mathematische Objekte fasziniert, sondern spielten – von Platon bis Kepler – eine entscheidende Rolle zur Welterklärung. Bis heute dienen sie zur geistige Anregung, als praktische Anwendung und zur konkreten Anschauung in Mathematik und Naturwissenschaften. In dem Vortrag werden diese Körper, ihre Bedeutung sowie ihre Beziehungen untereinander durch Experimente vorgestellt.

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Die fünf platonischen Körper als Kunstobjekte im Park Bagno Steinfurt; Wikipedia (Zumthie)

Mittwoch, 11.11.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Die Mechanik der Himmels: von der Sphärenmusik zur Raumfahrt

Prof. Dr. Andreas Knauf, FAU Erlangen-Nürnberg, Department Mathematik

Wie wir alle wissen, war die Himmelsmechanik für die Entwicklung der Wissenschaften von entscheidender Bedeutung. Das begann vor etwa 5000 Jahren mit der Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Innerhalb der Mathematik gab die Himmelsmechanik der Topologie, der Theorie der gewöhnlichen Differentialgleichungen und der Analysis insgesamt wichtige Impulse. Heute ist sie weitgehend eine angewandte Wissenschaft, die die Bahnen von Himmelskörpern und Satelliten numerisch vorhersagt. Warum also sollte sich die Theoretische Mathematik also noch mit diesem Thema beschäftigen.

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Blick ins Räderwerk des Himmels von Camille Flammarion, L’atmosphère météorologie populaire, Paris 1888; via Wikipedia

Mittwoch, 18.11.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Chinas Weg in die Moderne: Wandel in Wissenschaft, Technik, Politik und Philosophie

Prof. Dr. Dr. Andrea Bréard, Vizepräsidentin und Lehrstuhlinhaberin für Sinologie mit dem Schwerpunkt Geistes- und Kulturgeschichte Chinas (Alexander von Humboldt-Professur) der FAU Erlangen-Nürnberg

In China hat sich die Mathematik (shuxue 數學, wörtlich: die Lehre von den Zahlen) bis ins 19. Jahrhundert fast unabhängig von anderen wissenschaftlichen Traditionen entwickelt. Dabei wird der chinesischen Mathematik oft vorgeworfen, intuitiv, ohne Beweisidee und andere theoretische Konzepte vorgegangen zu sein. Dieser Vortrag zeigt anhand einiger konkreter Beispiele von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhundert, dass, auch wenn es keine Theorie der Zahlen in China gegeben hat, theoretische Aspekte durchaus eine wichtige Rolle in den in natürlicher Sprache formulierten Algorithmen spielten. Diese entsprechen nur nicht unserer normierten Vision davon, was Mathematik ist und was sie soll.

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Lao Naixuan (清)勞乃宣, Gu chousuan kaoshi 古籌算考釋 (Textuelle Forschung und Erklärung zur Rechnung mit Rechenstäbchen in der Antike), 1886

Mittwoch, 16.12.2026, 19:00 – 20:30 Uhr

Geometrie für den Himmel – wie im Altertum das Weltall berechnet wurde

Prof. Dr. Christina Birkenhake, FAU Erlangen-Nürnberg

Menschen schauten schon immer in den Himmel, Ereignisse wie Mond- und Sonnenfinsternisse, aber auch der Weg der Planeten wurden beobachtet und akribisch dokumentiert. Dabei ging es nicht nur um die Faszination des Sternenhimmels. Astronomen werteten seit dem Altertum Ereignisse am Himmel aus. Das diente neben Kalenderberechnungen, auch zur Vermessung der Welt. Dazu braucht es aber Mathematik, Geometrie und geniale Ideen, worüber der Vortrag einen Einblick gibt.

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Totale Mondfinsternis vom 21. Januar 2019

Veranstalter: Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg, Fachteam Planetarium
Einschreibung Reihe 45/30 € (6 Vorträge),
Einzelkarte vor Ort je 10/6,50 €
Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg, Am Plärrer 41, Kuppelsaal;
Leitung: Katharina Leiter, T 0911 231-73088
Konzeption: ART & Friedrich e.V.
Verein zur Förderung von Kunst, Theater und Wissenschaft
1. Vors.: Pierre Leich (Hastverstraße 21, 90408 Nürnberg)
Geschäftsführung: Chriska Wagner, Website: Norman Anja Schmidt
Kooperationspartner: Astronomische Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg e.V., Fachgruppe Mathematik, Regiomontanusweg 1, 90491 Nürnberg
Fachgruppenleiter: Prof. Dr. Günter Leugering